In den Pferdezubehörgeschäften und Messen werden dem Pferdebesitzer immer wieder verdeutlicht, wie wichtig es ist, den Pferdehuf zu pflegen, vor dem Austrocken und rissig werden zu schützen. Vor allem im Sommer, der trockenen Jahreszeit sollte es besonders wichtig sein, dem Huf Wasser zuzuführen oder ihn einzucremen.

Slogans suggerieren, dass die Pflege der Hufe mit div. Produkten essentiell wäre, damit es nicht zu Hufproblemen, wie Hornspalt oder ausbrechende Hufe kommt. Außerdem sollen Nährstoffe über das Produkt vom Huf aufgenommen und der Huf somit ausreichend versorgt werden.

 

Kurz zum Aufbau und Wachstum des Hornes. Lassen wir uns mal die Hufwand selbst ansehen: Das Wandhorn wird im Kronsaum von der Kronlederhaut gebildet. Die Hornzellen sterben ab und werden über den Hufbeinträger von oben nach unten geschoben. Kommt das Wandhorn am Boden an, fallen die Hornzellen durch Abrieb ab. 

Die Risse auf beiden abgebildeten Hufen stammen nicht von Trockenheit sondern vielmehr von Hebeln und unphysiologischen Hufzuständen.

Das Wandhorn wächst pro Monat, abhängig von der Jahreszeit, durchschnittlich 1 cm. Das äußere Wandhorn dient als Schutzhülle und Gewichtsträger. Die innere Schicht des Wandhornes und die Lammellenschicht sind elastisch und weisen einen relativ hohen Feuchtigkeitsgehalt auf. Zum einen wirken sie dadurch abfedernd (da nahe am Hufbeinträger gelegen) und verzahnen sich mit den zarten Wandlederhautblättchen. Die Feuchtigkeitsversorgung ist durch ihre Nähe zur Wandlederhaut gesichert. Auch beim Sohlenhorn nimmt der Wassergehalt von außen nach innen zu, sprich: die Horne werden von innen nach außen mit Feuchtigkeit versorgt. Bei trockener Witterung können die Horne hart und trocken werden. Doch hat dies den Sinn die Hornkapsel robuster zu machen und dadurch bietet es dem Pferd besseren Schutz und Abriebfestigkeit auf trockenem und hartem Boden.

Rissige und ausbrechende Hufwände kommen daher nicht von zu trockenen Hufen, sondern vielmehr von unphysiologischen Hufzuständen; überlange, hebelnde Wände und Wandhorn von schlechter Qualität (z.B.: Nährstoffmangel oder verminderte Nährstoffzufuhr bei der Hornproduktion (ältere Pferde oder beschlagene Hufe)).

 

Wie sollen die Hufe denn nun gepflegt werden?

  • Den Huf nach Bedarf, am besten täglich gut auskratzen, wobei Erde am Huf besser ist als Mist.
  • Strahl bei Bedarf (Strahlfäule) mit einem Strahlpflegemittel versorgen 
  • Keine Öle, Hufteere oder Hufsalben
  • Harte Hufe bei längeren Trockenperioden nur vor der Hufbearbeitung wässern

 

Kurz gesagt: Hufhorne bestehen aus abgestorbenen Hornzellen, die keine Nährstoffe aufnehmen können. Hufe mit Ölen oder Cremen einzupinseln ist nutzlos, da aus der Hufwand keine Flüssigkeit austritt und sich die Härte des Hornes an die Witterung anpasst.